Crefelder Ruder-Club 1883 e.V.

Lisa Schmidla steht im Olympischen Finale in Rio

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© Christian Schwier

8. August 2016
Eine souveräne Vorstellung war es vom Deutschen Frauen Doppelvierer, der an diesem Samstag um 13:00 Uhr Ortszeit, mit der schnellsten Vorlaufzeit von 6:30,8 Minuten in das Finale ein zog. Am Schlag Lisa Schmidla vom Crefelder Ruder-Club! Sehr windige und böige Bedingungen, die mit starkem Wellengang und Schaumkronen zur Streckenmitte den Ruderern das Leben schwer machte, konnte dem DRV Quartett nichts anhaben. Mit über einer Bootslänge Vorsprung überquerten sie die Ziellinie auf dem Lago Rodrigo de Freitas und sicherten sich damit den direkten Einzug in das Finale.

Das waren schon kuriose Bilder die dem Fernsehzuschauer von den vorherigen Rennen, den Vorläufen im Frauen Einer und Männer Zweier, gezeigt wurden. Ganze Boote wurden von Wellen überspült und zeitweise kamen die Boote auf den Wellenkämmen ganz zum Stillstand, oder änderten ihre Richtung. Eigentlich fast ein Ding der Unmöglichkeit, aber auf dem Kurs kenterte ein serbischer Zweier, der nicht mehr den Wellen trotzen konnte. Bange Blicke bei den Verantwortlichen und natürlich bei den Fans von Schmidla. Zwar wussten alle und vor allem die Ruderinnen selber, dass sie mit Wellen umgehen können, waren sie doch im Mai bei ähnlichen Bedingungen Europameisterinnen geworden. Wünschen tut sich aber kein Team diese Wetterkapriolen, denn die Gefahr eines technischen Fehlers steigt immens.

Doch pünktlich zum Großbootblock flachte der Wind etwas ab, so dass es keine Schaumkronen mehr auf den Wellen gab, zwar noch unangenehmen seitlichen Wind, aber für Schmidla kalkulierbar und ruderbar. „Da sind wir schlimmeres gewöhnt, in unserer Vorbereitung hatten wir in den Trainingslagern in Portugal und Ratzeburg auch immer wieder ähnliche Bedingungen. Wir sind dann einfach immer durch gefahren und haben uns, obwohl es keinen Spaß gemacht hat, gesagt: in Rio kann das auch sein“, so Schmidla. Einen guten Start erwischte das Quartett mit Schlagfrau Schmidla, Julia Lier/Halle, Carina Bär/Heilbronn und Annekatrin Thiele/Leipzig: „wir sind gut raus gekommen, aber die Polinnen haben ordentlich Betrieb gemacht und sind noch ein wenig länger auf dem Startspurt geblieben“, das DRV Boot geriet dadurch kurzzeitig mit einer Viertel Bootslänge in Rückstand. Doch Schmidla besitzt inzwischen die Erfahrung, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und zog mit ihrer Mannschaft einen effektiven Streckenschlag vor. Das richtige Konzept, denn nach 500 Metern übernahmen sie die Führung und überruderten die Polinnen, die schon die Schlagfrequenz deutlich angehoben hatten. Aber gegen den kraftvollen Schlag des DRV Vierers konnte weder Polen noch die USA etwas ausrichten, unaufhörlich zogen sie mit jedem Schlag davon und konnten so das Feld auf den letzten 700 Metern kontrollieren. „Wir haben dann nur noch so viel gemacht wie nötig war, um den Abstand zu halten. Ich empfand das Rennen nicht als anstrengend, wir konnten sehr kontrolliert fahren, meine Mannschaft hat super mit gemacht, wir sind geschlossen geblieben“, so Schmidla nach dem Rennen am Telefon. Was ihr allerdings zu schaffen machte, war die starke Sonnenbestrahlung die zur Mittagszeit extrem war und voll in ihre Rennzeit knallte „die Sonne, wenn sie draußen ist, ist schon sehr intensiv“. Den anderen Vorlauf und damit den direkten Einzug ins Finale schaffte der amtierende Olympiasieger aus der Ukraine, allerdings mit einer etwas langsameren Zeit. Etwas kurios, das sie so stark gefahren sind, ist die Ukraine doch erst über die Nachqualifikation, die sie auch nur knapp mit dem 2. Platz in Luzern schafften, in das 7 Boote Feld gerutscht und danach keinen Wettkampf mehr gefahren! „Ich war schon ein wenig überrascht, ich hatte in dem Rennen eher die Australierinnen auf der Rechnung, aber wir nehmen keinen auf die leichte Schulter. Spätestens seit letztem Jahr“, wo der DRV Vierer die einzige Niederlage vom „Underdog“ aus den USA, ausgerechnet im Finale, beigebracht bekam. Am Montag fahren dann die übrigen Boote, über den Hoffnungslauf, die weiteren Finalplätze aus. „Wir werden Sonntag einmal trainieren und am Montag und Dienstag nochmal 2 lockere Einheiten auf dem Wasser bestreiten und vielleicht noch eine Strecke mit höherer Schlagfrequenz fahren und natürlich noch diverse Gymnastikeinheiten, ansonsten versuchen wir zu entspannen“, erzählt Schmidla, wie es weiter geht. Die Verantwortlichen des Crefelder Ruder-Club organisieren derweil ein Public Viewing für das Final am Mittwoch um 15:00 Uhr, denn alle sind im „Lisa Fieber“ – Go Lisa Go!

Autor: Sabine Tschäge
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Tags: Senioren | International
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