Crefelder Ruder-Club 1883 e.V.

Lisa Schmidlas großer Tag – Olympisches Finale in Rio

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© Lisa Schmidla

9. August 2016
Mittwoch 15:34 Uhr werden alle die Daumen drücken, der Deutsche Frauen Doppelvierer mit der Krefelderin Lisa Schmidla an Bord, rudert im Finale und versucht Edelmetall zu ergattern. Spätestens nach dem beeindruckenden Vorlaufsieg am vergangenen Samstag, gehört das Quartett zu den Top Favoritinnen. Unbekannte Größe sind die Ukrainerinnen, die den anderen Vorlauf gewinnen konnten und bisher in dieser Saison noch nicht gegen den DRV Vierer gerudert sind. Eine weitere Unbekannte ist das Wetter in Rio, Samstag und Sonntag noch katastrophale Bedingungen, sind sie am Montag wieder besser geworden, aber leider unbeständig und der unbekannte Faktor in diesem Rennen.

Einstmals als Kinderruderin beim Crefelder Ruder-Club über die Ruder AG der Gesamtschule Kaiserplatz zum Rudern gekommen, war nicht ab zu sehen wo es sie einmal sportlich hinbringen würde. Morgen startet Lisa Schmidla im Finale der Olympischen Spiele in Rio, ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist. Spätestens seit 2012 in London, wo sie als Ersatzfrau dabei war, war klar: „das war eine tolle Erfahrung, aber bei meinen nächsten olympischen Spielen, wenn ich sie schaffe, möchte ich selber rudern und nicht nur zusehen“, gesagt und getan hat es Schmidla. In den 4. Jahren wurde sie nochmal Weltmeisterin bei den U23, in der Königsklasse dem Einer und 2014 folgte der Ritterschlag mit dem Weltmeistertitel in Weltrekordzeit bei der WM in Amsterdam, die Krönung ihrer bisherigen Kariere. 2015 dann ein kleiner Rückschlag, wenn man es denn so sehen will, mit der Silbermedaille in Aiugeblette in Frankreich. Vielleicht aber auch die richtige Erfahrung zur richtigen Zeit! Schmidla ist eine gereifte Athletin, die sich inzwischen sehr gut selber einschätzen kann. Sie gehört zu den Leistungsstärksten und auch ihre mentale Stärke brachte ihr die Schlagposition ein. „Ich fahre gerne Schlag, meine Mannschaft in den richtigen Rhythmus zu bringen und sie dann über die Schlagzahl zu puschen ist ein tolles Gefühl“, beschreibt sie ihre Position im Boot, sieht sich aber als Teamplayer und das ist auch die große Stärke im DRV Vierer. Mannschaftliche Geschlossenheit im Boot, an Land treffen schon unterschiedlich Charaktere aufeinander, die älteste und Erfahrenste sitzt im Bug: die 31 Jährige Bundespolizistin Annekatrin Thiele aus Leipzig, bereits mit Silber in Peking und London dekoriert weiß worauf es ankommt und behält die Übersicht. Auf Position 2. Carina Bär aus Heilbronn, die 26 Jährige Medizinstudentin kann seit London auch mit einer Silbermedaille aufwarten, mit 1,85 Meter ist sie die größte. Direkt hinter Schmidla folgt Julia Lier aus Halle, mit ihren 24 Jahren ist die Sportsoldatin die jüngste im Boot. Die 25 Jährige Journalistik Studentin Schmidla sitzt auf Schlag.

„Den Kopf frei kriegen ist leichter gesagt als getan, das Rennen ist omnipräsent“, erzählt Schmidla am Telefon „ist gar nicht so einfach, aber ich hoffe auf ein wenig Ablenkung, so dass wir dann am Mittwoch wieder die nötige Spannung aufbauen können.“ Sonntag konnten sie nicht aufs Wasser, da gab es Landtraining, starker Wind auf der Lagune Rodrigo de Freitas: „ das war nicht so schlimm, es betrifft ja auch immer alle Gegnerinnen. Wir haben in der Halle auf dem Ruderergometer und Spinningrad trainiert.“ Montag dann ruderbare Bedingungen, einzig die Wellen der anderen Boote, besonders der trainierenden Achter störten ein wenig. Zusammen haben sie sich dann noch den Hoffnungslauf angeschaut: „sehr verwunderlich, dass Australien ausgeschieden ist. Ich hatte sie weiter vorne gesehen, aber das war auch nicht gut gerudert von ihnen“, beobachte Schmidla ihre Konkurrenz. Heute dann nochmal eine kleine Belastung auf dem Wasser, bevor dann abends mit Trainer Sven Ueck das Rennen durch gegangen wird.

Morgen früh werden sie gegen 6:00 Uhr Ortszeit aus dem Olympischen Dorf los fahren, ca. 1. Stunde brauchen sie mit dem Shuttle zur Strecke. Dann wird noch 5 Km auf dem Wasser trainiert, nochmal den Kreislauf in Schwung bringen und einen Eindruck von der Strecke verschaffen. Dann haben sie bis 9 Uhr Zeit sich zu entspannen, meistens wird noch ein wenig Musik gehört und wenn sie wollen können sie noch einen kleinen Imbiss zu sich nehmen. 90 Minuten vor dem Rennen beginnt die Routine: Boot checken, Umziehen. 60 Minuten vorher nochmal letzte Besprechung mit dem Trainer, dann geht es 40 Minuten vorher zum Boot und spätestens 30 Minuten vorher auf das Wasser. Dann endlich läuft das ab, was sie das letzte Jahr immer und immer wieder geübt haben, dann fühlt man sich sicher. „Ich bin dann immer froh wenn wir auf dem Wasser sind, der Moment am Startblock ist nochmal sehr angespannt, aber wenn die Startampel auf Grün umspringt ist es wie eine Erlösung, dann freue ich mich und habe richtig Bock, wenn das Boot Tempo auf nimmt, ich liebe das“, fiebert Schmidla diesem Moment entgegen. Im Finale rudern sie gegen die Ukraine, Niederlande, Polen, USA und China. Die beiden Letzt genannten Boote sollten nach den Vorleistungen eher eine Nebenrolle spielen, aber alle anderen Boote sind Brand gefährlich: „spätestens seit der WM in Frankreich nehme ich keinen mehr auf die leichte Schulte“, so Schmidla über ihre Gegnerinnen.

In ihrem Heimatverein fiebern alle mit, es gibt für alle ein Public Viewing, das ab 15:00 Uhr los geht. Der WDR hat sein Kommen angekündigt und auch Schmidlas Familie wird vor Ort sein. Wer Lisa Schmidla anfeuern möchte ist herzlich in das Bootshaus an der Bataverstraße eingeladen.

Lisa kann an diesem Tag für den Crefelder Ruder-Club Geschichte schreiben, denn noch nie gab es eine Olympische Medaille, wir drücken die Daumen und sind schon jetzt Stolz sie Morgen im Rennen bewundern zu können – „Lisa-Fieber“ – Go LISA Go!

Autor: Sabine Tschäge
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Tags: Senioren | International
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